Ein Schiffswrack am Strand, von Wellen umspült

Wiedermal gescheitert? Gratuliere!

21. August 2020

Kürzlich hatte ich meinen Info-Abend für meinen ersten Kurs in Wien, Liebste, scheiß da nix und sei du selbst. Ich hatte drei Anmeldungen für den Abend, zwei davon haben abgesagt. Hm. Da könnte man meinen: „Scheitern auf ganzer Linie!“, oder? Nope! Weil es kein Scheitern gibt. Du kannst nicht scheitern. Das, was du als Scheitern betrachtest, ist ganz was anderes: Es ist das Leben. Und das fordert dich jede Sekunde dazu auf, zu wachsen.

Ich weiß schon: Auf Social Media ist alles Erfolg. Strahlendes Lachen, gefilterte Fotos, gestagete Wohnräume, Sonnenstrahlen, blauer Himmel, pippifein. Und nicht nur auf Social Media, auch in unserer Umgebung. Denn wer redet schon gern davon, wie unerfolgreich er gerade ist?

Plastik-Erfolg

Doch ich denke, gerade jetzt – gerade jetzt, wo alle Masken fallen – ist es Zeit, auch die Illusion des Plastik-Erfolgs fallen zu lassen. Des Erfolgs, der uns nicht tief im Herzen erfüllt. Es ist Zeit, uns zu fragen: Warum möchte ich erfolgreich sein? Des Geldes wegen? Der Annerkennung wegen? Weil ich dann endlich beachtet werde? Wozu? Wir alle spielen das Spiel mit: Wer Erfolg hat, erhält Bewunderung, Zuspruch, mediale Aufmerksamkeit. Geld. Liebe vielleicht?

Und dann stellt sich die nächste Frage:

Was ist Erfolg?

Was möchtest du an deinem Sterbebett über dein Leben sagen können? Was möchtest du erreicht haben? Wie definierst du dein erfolgreiches Leben? Das ist ja mal ne Frage, finde ich. Schau, ob du sie dir selbst beantworten magst und kannst. Ich habe das vor einiger Zeit getan: Was möchte ich an meinem Sterbebett über mein Leben sagen können? Meine Antworten:

  • Ich habe die Menschen in meinem Umfeld aus ganzem Herzen geliebt.
  • Ich habe meine Tage mit Tätigkeiten und Menschen verbracht, die mir tiefe Freude schenken und mich erfüllen.
  • Ich war mir selbst treu.

Die Inspiration dazu kommt aus Veit Lindaus Buch Seelengevögelt, absolute Leseempfehlung!

Und was ist mit der Anerkennung und dem Geld?

Natürlich sind Erfolg, Anerkennung und Geld wundervolle Dinge. Ich liebe Geld, ich liebe Erfolg und Anerkennung ist schön. Doch ganz oft fangen wir mit der ganzen Chose am falschen Ende an: Wir wollen erst den Erfolg, der uns dann das große Glück beschert. Erst die Anerkennung, damit wir uns selbst lieben können. Wenn wir Erfolg haben, dann sind wir wer. Dabei funktioniert es umgekehrt: Erst ist dein Glück in dir und dann bist du erfolgreich. Und zwar so richtig erfolgreich im Sinne von erfüllt, in deiner Fülle, ganz und gar. Erfolg mit Herz. Das ist der Erfolg, den es aus meiner Sicht anzustreben gilt.

Denn Erfolg ohne Herz, ohne Glück, ohne Liebe, ohne Mitgefühl, Verbundenheit … Wozu? Wir Menschen sind wegen ganz was anderem hier: Um uns zu erinnern, dass wir schon vollkommen erfolgreich sind, und zwar seit der Sekunde unseres ersten Atemzugs. Wir müssen nichts leisten, um geliebt zu werden. Wir sind einfach. Das reicht. Alles rund um uns liebt uns genau so (auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, aber die Erde, der Himmel und alles dazwischen liebt und unterstützt uns jeden Tag bei unserem Wachstum).

Was du aus deinem Scheitern lernst

So, zurück zu meinem Info-Abend: Erstmal war ich enttäuscht. Weil ich überzeugt davon bin, dass mein Kurs und auch der Info-Abend wirklich hilfreich sind für die Frauen, die ich anspreche und auch für ihre Familien, für das gesamte Umfeld. Gleichzeitig weiß ich, dass auch die Enttäuschung, der Frust, die Traurigkeit, die Verzweiflung vielleicht, dass all das da sein darf, ja soll! Wir leben hier ja, soll heißen: sind lebendig und dazu gehören alle Gefühle. Und so sind wir auch mit unangenehmen Gefühlen gesegnet, die uns aufmerksam machen auf das, was in uns noch nicht erlöst ist. Und sie sind da, um uns zu zeigen, was uns nicht gefällt, was wir in unserem Leben nicht anstreben.

Hinschauen, das ist mal ein Erfolg!

Ich habe diesen Abend also mit einer Teilnehmerin gehalten und es war richtig schön. Selbst wenn ich nur einen Menschen für einen Abend unterstützen kann, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, anzukommen im Moment, sich zu bewegen und zu spüren, loszulassen, wieder ein Stück mehr von sich selbst zu erkennen, dann ist das ein großer Erfolg. Jede und jeder einzelne Mensch, jede einzelne erfüllte Sekunde zählt.

Übung: Was hat dir dein Scheitern bisher gebracht?

Wir alle haben Fehler gemacht, wenn man es „Fehler“ nennen mag. Wir alle sind wohl schon mit 100 km/h gegen eine Betonwand gefahren (also nicht im Wortsinn, hoffe ich, sondern metaphorisch gesprochen), haben Beziehungen „versemmelt“, sind beruflich angerannt, haben Dinge in den Sand gesetzt, „falsche“ Entscheidungen getroffen usw usf. Kann es sein, dass dich dein Scheitern jedes Mal ein Stück weiter gebracht hat? Mit deinem Scheitern verlässt du deine Komfortzone und hier wird es erst so richtig spannend. Hier beginnt dein Leben.

Setz dich in einer ruhigen Stunde hin und lass deine größten Scheitermomente Revue passieren. Notiere sie. Und dann überlege, wo dich jeder dieser Momente hingebracht hat. Welche Fähigkeit er in dir gestärkt und welche neuen Wege er dir eröffnet hat. Was konntest du Positives für dich mitnehmen?

Das gilt auch für alle gegenwärtigen und künftigen Scheitermomente: Was kannst du daraus mitnehmen für deine Gegenwart und deine Zukunft? Diese Reflexion hilft dir auch, dich zu fokussieren: Wo will ich eigentlich hin? Vielleicht erfolgt dein Scheitern einfach nur deshalb, weil dein Seelenweg in der ganz anderen Richtung liegt. Wer weiß?

Eine letzte Frage

Sind es die Dinge und Menschen, die dich lieben sollen und/oder deine Erwartungen erfüllen sollen – oder bist es du, der Liebe in die Dinge und in die Begegnungen mit Menschen bringt? Wer macht den Anfang? Wer „gibt nach“ und lässt sein Ego in den Hintergrund treten zugunsten des Herzens? Meine Antwort ist klar: Ich mache den Anfang. Ich bin mein Anfang. Was ich aussende, kommt tausendfach und mehr zu mir zurück.

Was für ein Erfolg!

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