Regenstiefel und Regenschirm im Regen ohne Mensch

Du willst alles richtig machen? Vergiss es!

20. Juli 2020

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Die Welt ist voller Regeln. Geschriebene, gedachte, gehörte, gesehene, abgekupferte, sinnvolle und (für manche) sinnlose. Mich beschäftigen seit einigen Wochen die Regeln von Social Media. Für mein Unternehmen. Wie erreiche ich die Frauen, denen ich in meiner Arbeit begegnen möchte, am besten? Ich lese Posts von Menschen, die es wissen müssen. Ich lerne, wie man es richtig macht, ich schaue, staune und verzweifle bisweilen.

Mein vegetatives Nervensystem stimmt mit ein und sagt: Schatz, entspann dich, komm runter, immer schön eines nach dem anderen. Mein Körper hilft mir also beim Spüren und so wird mir relativ schnell klar: Alle Regeln stur und ohne reinzuspüren zu befolgen, um es „richtig“ zu machen, ist nicht zwangsläufig stimmig für mich. Beim starren Richtigmachenwollen wird mein Herz schnell eng, ich fühle mich gestresst und unwohl. Es richtig machen zu wollen bringt mich weg von mir und meinem Herzensweg. Und ich weiß, dass es anderen Menschen auch so geht.

„Hör damit auf und du kommst in deine Kraft“

Ich erinnere mich noch gut an einen Moment während meiner Energetiker-Ausbildung; das war vor vier oder fünf Jahren: Ich kämpfte mal wieder gegen mich selbst und wollte der Welt zeigen, wie richtig ich alles machen kann! Aber sooowas von richtig! Die Über-Spirituelle, voll erleuchtet. Die, die drübersteht – und trotzdem unglücklich ist. Und meine Lehrerin? Saß da und sagte: „Hör auf, es richtig machen zu wollen, dann kommst du in deine Kraft.“ Ein Satz, der mein Leben verändert hat.

Die Jahrzehnte davor ging es für mich NUR darum, Dinge richtig zu machen. Richtig nicht sagen, wie unglücklich ich bin, richtig viel arbeiten, richtig Mama sein und Superunternehmerin und richtig Familienmanagerin – und dabei richtig entspannt. (Haha!) Warum? Um nicht negativ aufzufallen und vor allem, um Anerkennung und Liebe zu bekommen. Dass weder Anerkennung noch Liebe wegen des Richtigmachens beim Fenster hereingeflattert kam, kannst du dir denken.

Deine Erlaubnis gibst du dir selbst

Und tatsächlich bin ich erst in meiner Kraft, seit ich mir erlaube, ich selbst zu sein, mit allen Macken, allen Stärken, allen Ängsten – und allem was sonst noch da ist; Tanzen und (falsch) singen im Supermarkt und auf der Straße zum Beispiel. Ich habe begonnen, mir nix mehr zu scheißen, wenn es darum geht, ich selbst zu sein.

Versteh mich nicht falsch: Dieser Text handelt nicht davon, sich an gar keine Regeln mehr zu halten. Das Überqueren der Hauptstraße am Zebrastreifen ist ne gute Sache. Ich zahle meine Steuern nach wie vor, bleibe an Stopp-Schildern stehen und mein Kind kommt pünktlich in die Schule. Ich bezahle für mein Essen genauso wie für den Strom, den es braucht, um das hier online zu stellen und meine Friseurin bekommt Geld dafür, dass sie meine Haare färbt. Also kurz: Ich halte mich an Regeln.

Aber das Richtigmachenwollen von Dingen, bei denen es wurscht ist, wie es gemacht wird, ist nicht zielführend. Tausend Bücher sagen dir, wie die Dinge in der Welt funktionieren und wie du es richtig machen kannst. Eines dieser Bücher handelt zum Beispiel davon, wie frau sich richtig verhält, um den Traummann zu bekommen (WTF?!?). Dann geht es weiter: Wie du die perfekte Beziehung lebst, wie du ganz viele Follower auf Social Media bekommst, wie du dich richtig auf den perfekten Weg zum perfekten Look im Business machst.

Klar, ein paar Techniken braucht der Mensch: Wenn du malen willst, musst du wissen, welchen Pinsel du für die Wiese verwendest, wenn du Marketing machen willst, musst du wissen, wen du ansprichst und auf Social Media stehen sich alle auf Fotos und schöne Geschichten, guten Content halt. Soweit so klar. Aber hast du die Technik, die dir nützt (und nur die!) einmal intus, bitte geh deinen eigenen Weg.

Scheiß dir einfach nix und höre nur auf dein Herz. Ein befreundeter Künstler hat einmal auf meine Frage, ob man denn Aquarellstifte auf der Wand verwenden „kann“, gesagt: „Du kannst alles, probier alles aus!“ Ja, welche Antwort hätte er mir sonst geben sollen?!? Und klar hat’s funktioniert. Aquarellstift auf Dispersion auf Mauer funktioniert (Das Ergebnis findest du hier). Einfach machen!

Deine Gefühle führen dich

Wenn sich etwas für dich eng anfühlt, wenn du das Gefühl hast, das ist nicht deines, lass es bleiben. Wenn dein Herz weit wird und du auf das Ding, den Menschen, das Projekt, die Herangehensweise zulaufen möchtest, dann mach es! So einfach ist die Sache.

Und ich? Ich werde mir in Sachen Social Media von Experten noch ein paar Ezzes geben lassen und dann entscheiden, was für mich passt, womit ich mich wohl fühle. Eines kann ich mir schon denken: Fixe Posting-Zeiten werde ich nicht schaffen – das war schon damals so als ich ein Kleinkind hatte und versucht habe, es richtigerweise mittags zuhause zu füttern. Ich habe es nie geschafft! Weil wir mittags meistens unterwegs waren und die Zeit unseres Lebens hatten! Irgendwo, spontan am Spielplatz oder mit ner Freundin auf nem Kaffee. Das Kind aß mittags halt unterwegs. Nach ein paar Versuchen, es richtig machen zu wollen, habe ich es gelassen, also damals schon kapiert, dass gewisse Dinge mir einfach nicht liegen. Starre Regeln zum Beispiel, die für mich nicht sinnvoll und daher nicht einhaltbar sind.

Ich wünsche dir viel Freude beim Herausfinden, was dein persönliches „Scheiß da nix“ ist. Lass es mich wissen!

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