Löwenzahnsamen mit Wassertropfen

Deine Tränen verändern die Welt

15. Mai 2020

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Seit Tagen schon bin ich nicht auf der Höhe. Ich merke: Es brodelt etwas in mir, doch es ist gerade so viel zu tun, dass ich nicht näher hinschauen möchte. Und natürlich komme ich damit nicht durch! Heute Morgen hat mich eine bleierne Müdigkeit länger im Bett bleiben lassen als üblich. Üblicherweise bin ich ausgeschlafen und steige, wenn schon nicht begeistert, dann wenigstens munter aus dem Bett. Doch heute nicht.

Ich meditiere jeden Morgen noch im Bett, sodass ich gut im Körper bin und fokussiert in meinen Tag starten kann. Heute ging es mit jedem Atemzug tiefer und tiefer in die Traurigkeit, die ich in den vergangenen Tagen nicht wahrhaben wollte. Eine tiefe Trauer über das, was auf der Erde passiert – oder besser: nicht passiert. Über den Müll im Wald, die Zigarettenkippen auf der Wiese, über die Wälder die verschwinden, die Erde, die versiegelt wird. Solche Dinge.

Mit den Tränen kam die Befreiung. Einfach mal alles rauslassen! Wie gut das tut! Wie gut es tut, sich selbst einzugestehen, dass frau manchmal überfordert ist und trotz allen positiven Denkens auch mal verzweifelt ob der Dinge, die da draußen geschehen. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert von der Kraft der Tränen.

Tränen bringen deinen Körper ins Lot

Es ist in Ordnung, traurig zu sein. Es ist in Ordnung, verzweifelt zu sein. Es ist in Ordnung, wütend zu sein. Es ist in Ordnung, zu weinen. Denn mit diesen emotionalen Tränen verlässt auch der Stress unseren Körper. Jede und jeder, die schon mal geweint hat, kann das bestätigen. Und, ja, auch die Wissenschaft beschäftig sich damit: ForscherInnen der University of Queensland zum Beispiel ließen die Hände von ProbandInnen in eiskaltes Wasser tauchen (ein Stresstest). Die einen hatten zuvor beim Ansehen eines traurigen Videos geweint, die anderen hatten das gleiche Video gesehen, ohne zu weinen und die Menschen aus der dritten Gruppe hatten ein neutrales Video geschaut. Zwar hielten die Menschen aller drei Gruppen die Hände gleich lang in das kalte Wasser – doch bei denen, die nicht geweint hatten, zeigte sich eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz als bei jenen, die Tränen vergossen hatten. Die ForscherInnen sehen das als ein Zeichen dafür, dass Weinen das Gleichgewicht im Körper fördert; das System also im Lot hält.

„OH JA!“, kann ich da nur sagen. Nach dem Weinen war ich wieder im Lot – und zu meiner großen Überraschung auch sehr munter. Ich hatte nicht nur meine emotionale Stabilität und meine Zuversicht zurück, sondern auch meine körperliche Kraft!

Wir fühlen, weinen – und verändern so die Welt

Und dann gibt es noch einen anderen Effekt des Weinens – und der wiederum hängt zusammen mit dem, was mich heute Morgen so traurig gemacht hat: Unsere Tränen verändern die Welt über einen Umweg, denn sie bestätigen, dass wir fühlen können, dass unsere Herzen nicht aus Stahl sind. Ein fühlender Mensch ist nicht in der Lage, anderen Wesen Leid zuzufügen. Daher macht jeder fühlende Mensch die Welt zu einem bessern Ort. Jeder weinende Mensch verändert auf diese Weise die Welt. Wir retten die Welt, indem wir fühlen.

Stell dir vor: Wir alle würden mehr weinen. Wenn wir verzweifelt sind, wenn wir geschockt sind, traurig sind oder wütend – und natürlich wenn wir glücklich sind und uns unendlich freuen. Welche Welt könnte dann entstehen?!? Ich meine, es entstünde eine Welt, die von Mitgefühl und Liebe getragen würde. Das ist der Grund, warum ich in allen meinen Kursen Menschen dazu ermutige, ihre Gefühle zu spüren und auszudrücken.

Wenn deine Seele Tränen braucht, lass sie fließen. Wenn dein Bauch schreien möchte, schrei! Wenn dein Herz lieben möchte, liebe. Und liebe gleich unermesslich, denn dazu sind unsere Herzen gemacht. Für die Liebe. Auch weinen ist ein Akt der Liebe. Und ein Akt der Stärke, denn es zeigt: Ich steh zu mir mit all meinen Facetten, in guten wie in schlechten Zeiten. So sei es!

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